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Taragot und Orgel

Dumitru Farcas und Marcel Cellier

Das Taragot (Tárogató)

Die Etymologie des ungarischen Wortes ist umstritten. Die Chroniken erwähnen zwar das Instrument seit dem 16. Jahrhundert, aber die grell schreienden Töne der einstigen Tárogató-Pfeife haben nichts Gemeinsames mit dem beschwörenden Klang, den Dumitru Farcas heute seinem Instrument entlockt. Die Magyaren haben während Jahrhunderten ein ganz anderes Aerophon so benannt, nämlich die asiatische «Zurna» türkisch-persischen Ursprungs, welche in Europa seit dem 13. Jahrhundert (über den Balkan und die iberische Halbinsel) eindrang. Auch die lärmenden Janitscharen bliesen die Zurna im Zuge der Expansion des ottomanischen Reiches in den Feldzügen dermassen penetrant und ohrenbetäubend, dass manchmal Gegner in der Überzahl wehrlos davonflohen. Die Ungarn übernahmen das Instrument am Ende des 17. Jahrhunderts und nannten des Töröksip ( Türkenpfeife ), ohne jedoch die alte Bezeichnung Tárogató preiszugeben. Es wird angenommen, dass zu jener Zeit das Wort Tárogato für eine ganze Instrumentenfamilie, wie z.B. «Schalmei», gebräuchlich war.

Die Ungarn verwendeten das Taragot ebenfalls als Feldinstrument ( hadisip = Kriegspfeife ). Im 18. Jahrhundert wurde es - immer in seiner ursprünglichen Form - zu einem wahren Symbol der nationalen Befreiungsbewegung gegen das Joch der österreichischen Habsburger. (Rákóczi-sip) Die Bestrebungen, das archaische Doppelzungen-Instrument modernen Ansprüchen anzupassen, bewog den bekannten Instrumentenbauer V. Jószef Schunda in Budapest um 1894-1896 zu radikalen Abänderungen. Das Taragot, welches bis anhin handwerklich meistens von den Ausübenden selbst gefertigt wurde, verwandelte sich in ein Fabrikinstrument mit einfachem Zungenblatt, oktavierend, mit klassischer Allüre, wie Klarinette, Oboe, Sopran-Saxophon und Fagott. Es besitzt ästhetische, klangliche und technische Charakteristiken dieser vier Instrumente, die, zusammen verschmolzen, ein ganz neues Amalgam von Klangregistern entstehen lassen, welche dem Tárogató eine unglaublich beschwörende Macht verleihen. Der Rumäne Dumitru Farcas, der im sprichwörtlich musikalischen (früher ungarischen) Transylvanien / Siebenbürgen geboren ist, illustriert uns diese Macht auf der vorliegenden CD mit unnachahmlicher Maestria.

Marcel Cellier

 

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